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Welche Versicherungen brauchen werdende Eltern?

14.01.2014 10:08

swissmom: Im Herbst 2004 wurde die Revision der Erwebsersatzordnung vom Volkssouverän angenommen. Das bedeutet nun, dass auch die Schweiz endlich eine Mutterschaftsversicherung hat. Viele berufstätige Schwangere stellen uns nun immer wieder die Frage, ob sie nach der Geburt mit einer Lohnfortzahlung rechnen können. Welche Bedingungen müssen dafür erfüllt sein?

Antonio Mangino: Folgende Bedingungen müssen erfüllt sein, um in den Genuss der Mutterschaftsversicherung zu kommen:

  • vor der Niederkunft mindestens 9 Monate AHV-versichert sein
  • davon mindestens 5 Monate erwerbstätig


swissmom: Ist es rechtens, dass der Arbeitgeber von der Mutterschaftsentschädigung noch Sozialleistungen wie AHV/IV, ALV und EO abziehen darf? Darf davon auch die Berufsvorsorge (BVG) abgezogen werden?

Antonio Mangino: Grundsätzlich gilt festzuhalten, dass unter der Rubrik Sozialleistungen auch die Berufliche Vorsorge (BVG) gemeint ist. Im Anhang zum EOG (Erwerbsersatzordnungsgesetz) werden auch andere Bundesgesetze und insbesondere Artikel 8 Absatz 3 BVG geändert. Diese Bestimmung wird insofern ergänzt, als dass der Schutz für Arbeitnehmende in der BVG-Minimalversicherung - konkret die Beibehaltung des bisherigen koordinierten Lohnes, wenn der Jahreslohn vorübergehend wegen Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit sinkt - auch bei der Mutterschaft gilt, und zwar so lange, wie die Lohnfortzahlungspflicht des Arbeitgebers nach Artikel 324 a des Obligationenrechts (OR) bestehen würde oder ein Mutterschaftsurlaub nach Artikel 329f OR dauert. Mit dieser Ergänzung wird für die Arbeitnehmerin folglich das Vorsorgeniveau automatisch auf dem vor der Geburt erreichten Stand behalten, ob der Arbeitgeber den Lohn nun weiterhin bezahlt oder nicht. Im ersten Fall kann gemäss Artikel 17 Absatz 1 Buchstabe b EOG der Arbeitgeber als Ausgleich die Ausrichtung der Entschädigung beanspruchen. Bei der Weiterführung dieser obligatorischen Versicherung im BVG hat der Arbeitgeber wie bisher mindestens die Hälfte der BVG-Beiträge zu finanzieren (Art. 66 Abs. 1 BVG).

Falls hingegen der Arbeitgeber während des Mutterschaftsurlaubs keinen Lohn bezahlt und die Arbeitnehmerin folglich die Mutterschaftsentschädigung entweder über den Arbeitgeber oder direkt bei der AHV-Ausgleichskasse bezieht, sieht Artikel 8 Absatz 3 BVG ausdrücklich die Weiterführung der Versicherung nach BVG während der ganzen Dauer der Ausrichtung der Mutterschaftsentschädigung vor. Aus diesem Grund wurde die erwähnte BVG-Bestimmung in diesem Sinn geändert, dass der koordinierte Lohn solange Gültigkeit behält, als der Mutterschaftsurlaub nach Artikel 329f OR dauert. Wie bis anhin kann aber die versicherte Person die Herabsetzung des koordinierten Lohnes verlangen. Dieser Lohn berechnet sich auf der Grundlage der Mutterschaftsentschädigung.

Die Mutterschaftsversicherung regelt die Finanzierung der Weiterführung der BVG-Versicherung nicht. Artikel 19a Absatz 1 EOG sieht im übrigen keine BVG-Beitragserhebung auf der Mutterschaftsentschädigung vor (nur Abzüge für AHV/ IV, EO und allenfalls ALV).

Aus den oben erwähnten Gründen ergibt sich somit die Art der Finanzierung und der Weiterführung dieser BVG-Versicherung bei Mutterschaft aus dem Reglement der Vorsorgeeinrichtung. Dies heisst konkret, dass die Vorsorgestiftung dies im Reglement geregelt haben muss, um eine Beitragserhebung vornehmen zu können.

swissmom: Wie hoch wird die Lohnfortzahlung sein?

Antonio Mangino: Die Lohnfortzahlung beträgt 80 % des durchschnittlichen Erwerbseinkommens vor der Geburt, maximal aber 172.-- Franken pro Tag und dies während 14 Wochen.

swissmom: Haben auch selbständig erwerbstätige schwangere Frauen eine Lohnfortzahlung zu gut?

Antonio Mangino: Grundsätzlich gilt festzuhalten, dass alle erwerbstätigen Frauen (selbständige oder unselbständige) Anspruch auf die Mutterschaftsentschädigung haben. Zu beachten sind jedoch die Mindesterwerbstätigkeit und AHV-Beitragszeit (siehe erste Antwort im Interview).

swissmom: Eine weitere Frage, die uns immer wieder gestellt wird: Hat eine Schwangere Krankentaggeld zu gut und werden die Krankheitstage dann später von der Mutterschaftsversicherung abgezogen, d.h. verkürzt sich damit die Lohnfortzahlung?

Antonio Mangino: Auf den 1. Juli 2005 fallen per Gesetz die bestehenden Versicherungsverträge dahin, welche Taggelder bei Mutterschaft vorsehen. Zuviel bezahlte Prämien(anteile) werden zurückerstattet. Mütter, die vor dem 1. Juli 2005 bereits Mutterschaftsleistungen eines Taggeldversicherers beziehen, erhalten diese in vertraglich vereinbartem Umfang weiter und zwar auch dann, wenn am 1. Juli 2005 zusätzlich ein Anspruch auf die Mutterschafts-Entschädigung der EO entsteht. Wenn allerdings das EO-Taggeld und die Leistung der privaten Taggeld-Versicherung den versicherten Lohn übersteigen (Überversicherung), so kann der Taggeldversicherer im Rahmen der Überentschädigung die Mutterschaftsentschädigung bei der AHV-Ausgleichskasse einfordern. Eine Verkürzung der Lohnfortzahlung entsteht somit nicht.

Wichtig für den Arbeitgeber ist, dass nicht in jedem Fall die Zusatzversicherung für die  „Niederkunft“ in der Kollektivkranken-Taggeldversicherung sich erübrigt oder nicht mehr notwendig ist. Wenn ein Gesamtarbeitsvertrag oder der Arbeitsvertrag selbst bessere Leistungen als die in der Mutterschaftsversicherung vorgesehen Leistungen vorsieht, sind diese weiter zu versichern. Arbeitgeber sollten mit ihrer Versicherungsgesellschaft sprechen und sich Möglichkeiten zur optimalen Deckung aufzeigen lassen. Hier können die Prämien für Betriebe mit einem hohen Frauenanteil optimiert werden, was wiederum die Betriebsausgaben senkt und somit im gleichen Zug die Lohnabzüge für die Frauen reduziert.   

swissmom: Ein weiterer Punkt ist das Geburtentaggeld, wer kann davon profitieren? Und welche Varianten gibt es davon?

Antonio Mangino: Das Geburtentaggeld bei den Privatversicherungen wird an Bedeutung verlieren. Mit der Einführung der Mutterschaftsversicherung, mit einer Lohnfortzahlung von 14 Wochen, wurde eine gute Lösung in Kraft gesetzt, die weitaus besser zum Tragen kommt, als viele der vorangegangenen Lösungen.  

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass die Privatversicherungen bis anhin Geburtentaggeld-Versicherungen angeboten haben mit einer Lohnfortzahlungsdauer von 42, 70 oder 112 Tagen. Neue Geburtentaggeld-Lösungen werden folgen. Denn je nach Bedarf und den gesetzlichen Voraussetzungen werden nur noch ergänzende Modelle zu Verfügung stehen, die sich im Leistungsumfang und der Prämienhöhe an die neue Gesetzgebung anpassen werden (Ergänzung).

swissmom: Ist Nachwuchs unterwegs, besteht ein vermehrtes Bedürfnis nach Sicherheit, darum tauchen auch Versicherungsfragen auf: Welche Versicherungen braucht ein Baby?   

Antonio Mangino: Hier gilt das Augenmerk vor allem der Krankenkasse. Die erste Massnahme für eine schwangere Frau ist die vorgeburtliche Anmeldung des ungeborenen Kindes bei der Krankenkasse für die Zusatzversicherung nach VVG (Allgemeine Abteilung ganze Schweiz, Alternativmedizin, Todesfallkapital und Invaliditätskapital).

Weshalb eine vorgeburtliche Anmeldung? Es gilt festzuhalten, dass nur gesunde Kinder grundsätzlich in die Zusatzversicherung nach VVG aufgenommen werden können. Mit einer vorgeburtlichen Anmeldung werden die Deckungen der Zusatzversicherungen auf bestehende Krankheiten, ohne Vorbehalt, ausgedehnt. Somit drängt sich diese Massnahme vor der Geburt auf.

Für die obligatorische Grundversicherung gemäss KVG sind keine besonderen Aufnahmemodalitäten zu beachten. Die Aufnahme ist obligatorisch und ohne Gesundheitsprüfung. Tipp: Versichern Sie das neugeborene Kind über die Krankenkasse der Eltern (Familien-Versicherung). Viele Krankenkassen bieten für die Kinder in Kombination mit der Versicherung der Eltern spezielle Rabatte sowie Reduktionen bis zu 50 % für das zweite Kind auf den Zusatzversicherungen an. Nutzen Sie diese Gelegenheit und informieren Sie sich bei Ihrer Krankenkasse.  

Als wichtige Zusatzversicherung ist hier das Todesfall- und Invaliditätskapital zu erwähnen. Weshalb ein Todesfall- und Invaliditätskapital? Vielleicht ist vielen Eltern nicht bewusst, dass erst ab dem 18. Lebensjahr eine Invalidenrente der IV (1. Säule) zum Tragen kommt. Deshalb ist vor allem ein Invaliditätskapital bei Krankheit und Unfall zu versichern. Dieses Kapital ist notwendig, um die Aus- und Weiterbildung zu finanzieren und um Kosten zu decken, die nicht oder nur teilweise durch die IV übernommen werden. Beim Invaliditätskapital ist darauf zu achten, dass die Entschädigungsmethode mit einer Progression von 225% oder 350 % ergänzt wird. Die meisten Krankenkassen bieten nur ein Invaliditätskapital bei Unfall an, jedoch nicht bei Krankheit. Tatsache ist jedoch, dass in 3/4 aller IV-Fälle die Krankheit zu einer Invalidität führt. Es gibt nur wenige Krankenkassen die ein Invaliditätskapital auch bei Krankheit anbieten, denn die Prämien sind um einiges höher als die Deckung nur bei Unfall.

Die Alternative dazu ist eine Rentenlösung für das Kind (für Krankheit und Unfall). Es gibt spezielle Kinderprodukte bei den Versicherungen dazu! Erkundigen Sie sich!

swissmom: Welche Versicherungen braucht eine junge Familie?

Antonio Mangino: In einer zweiten Phase stehen die Eltern im Mittelpunkt des Geschehens. Weshalb denn nur? Nicht nur, dass das Kind oft den Tagesablauf der Eltern bestimmt, nein, auch bestimmt ein Kind das Haushaltsbudget der Familie.  

Deshalb sind oft Krankheit, Unfall oder der Tod der Eltern oder zumindest eines der Elternteile ungebetene Gäste in einer doch meist unbekannten und neuen Lebensphase. Ereignisse treten meist plötzlich und unerwartet auf!

Deshalb ist sicherlich die Überprüfung der Erwerbsunfähigkeit und des Todes der Eltern eine zentrale Rolle der Existenzabsicherung. Auch der Kauf eines Eigenheimes und die damit verbundenen finanziellen Belastungen müssen in eine solche Beratung miteinbezogen werden. Am besten können diese Deckungslücken mit Todesfallkapitalversicherungen (diverse Modelle und Produkte auf dem Markt), mit Erwerbsunfähigkeitsrenten (Invalidität bei Krankheit und Unfall - Lohnersatz) bei den Versicherungen abgedeckt werden.  

swissmom: Kinder werden älter, neue Bedürfnisse entstehen: Berufsausbildung, Studium, Auslandsaufenthalt. Was empfehlen Sie jungen Eltern zu tun, damit sie dies später einmal ihren Kindern ermöglichen können?   

Antonio Mangino:  Hier gilt sparen, sparen, sparen und nochmals sparen. Man bedenke bitte, dass eine Gemeinde ca. 1/3 des ganzen Gemeindebudgets zur Finanzierung der Schulen benötigt. Im Klartext bedeutet dies, dass die Aus- und Weiterbildung teuer ist.  

Deshalb sollte man für die Kinder etwas auf die hohe Kante legen! Ob dies in Form eines Sparplanes bei der Bank (z. B. Fondssparplan) ist, oder mit einem entsprechenden Kindersparprodukt bei der Versicherung, ist in einem persönlichen Beratungsgespräch mit den Eltern zu ermitteln. Vergleichen Sie und lassen Sie sich eingehend beraten. Oft eignen sich die Kinderzulagen dazu, diese in den Sparprozess einfliessen zu lassen.


Oktober 2012

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